genussdealer

allein unter gurken & kochen ist krieg 1. Februar 2010

Filed under: Bücher,Essen,Lesen,slowfood — genussdealer @ 13:57

diese weihnachten wurde ich mit einer fülle kulinarischer lektüre beschenkt. hat es sich wohl endlich rumgesprochen, dass man essen auch lesen kann. und ich dies mit endloser begeisterung tue. mit dem weihnachtlichen gefüllten (besser: überfüllten) bauch wollte sich der genuss bei der lektüre dieser bücher jedoch nicht so recht einstellen – irgendwann ist man einfach zu satt. so gab ich meinem stoffwechsel und meiner neugier ein wenig zeit, sich wieder zu regulieren, und verbrachte dann die verschneiten januarwoche im warmen heim mit dem lesen meiner neuen bücher.

gefesselt, fast wie ein krimi, hat mich die lektüre von „allein unter gurken“ von andreas hoppe. wenn er nicht gerade tatorte mit ulrike folkerts drehte, hat sich „kopper“ ein jahr dem abenteuerlichen versuch ausgesetzt, sich nur mit dingen zu ernähren, die in einem umkreis von 100km  um ihn herum wuchsen oder produziert wurden. wenn er nicht drehen musste, dann ließ sich das – auch zu seiner überraschung – gut realisieren. mit einer stadtwohnung in berlin und einem häuschen in der uckermark hat man dafür ganz gute voraussetzungen, wie sich zeigte, insbesondere dann, wenn man bereit ist, zumindest zum teil auch zum selbstversorger zu werden. so lässt sich bei der lektüre des buches viel lernen über den anbau und die ernte heimischer planzen im eigenen garten, die große bedeutung ländlicher netzwerke und darüber, dass man in berlin regional eigentlich ziemlich gut versorgt ist, wenn man es will. da kann ich doch noch einiges entdecken gehen (wenn der blöde schnee endlich mal geschmolzen ist). und was ich extrem symphatisch finde an andreas hoppe in diesem buch, ist der pathos für gutes essen und seine ökologische herstellung und sein sich-aufregen über den wahnsinn, den die industrielle landwirtschaft und globale lebensmittelindustrie hervorgebracht haben. endlich jemand, der auch nicht cool bleiben muss. und mit sehr viel lust und humor geschrieben hat. … ich hätte ja zu große lust ihn im nächsten sommer mal auf dem land zu besuchen …

irgendwie scheinen tatorte ihre darsteller nicht richtig auszulasten. und ihre schauspieler einen hang zum guten essen zu haben. so hat auch gregor weber, saabrücker tatort-kommissar, sein leben mit kulinarischen abenteuern bereichert und ein buch darüber geschrieben. in „kochen ist krieg“ erfahren wir nicht nur etwas über seine ausbildung zum ihk-zertifizierten koch bei kolja kleeberg im berliner vau, sondern auch über die stationen seiner weiteren wanderschaft durch eine auswahl von deutschlands profiküchen. zum beispiel auf so großen „tankern“ wie einem bundeswehrschiff oder in der berliner o2-arena. oder aber im drei-sterne-restaurant, im fischrestaurant auf der nordseeinsel oder bei mutigen pionieren im ostdeutschen hinterland, die der gesättigten berliner gastroszene bewusst den rücken kehrt haben. unterhaltsame lektüre mit interessanten einblicke in unbekannte welten. und die erkenntnis nach der lektüre, dass profikochen immer noch ein ziemlich männlich dominiertes feld ist. vielleicht sogar die letzte bastion wahrer männerfreundschaften 😉 hat mich jeden falls darin bestärkt, endlich mal über die frauen in diesem feld zu schreiben.

weitere infos zu meinen kulinarischen lektüren folgen. und sollte es womöglich noch von mir unentdeckte schätze geben, die es noch zu lesen gilt, dann freue ich mich über eure hinweise!!!

Advertisements
 

echte berliner stulle 3. November 2009

Filed under: Essen,fastfood,slowfood — genussdealer @ 18:05

manchmal sehnt man sich auch der slowfoodie nach einem schnellen genuss zwischendurch. dieser wunsch ist jedoch meist schwer zu erfüllen in der von md, bk, u.a. geprägten fast-food-landschaft dieser stadt. außer man hat eine gutes gedächtnis für alle slow-fast-food-orte und die bereitschaft auch weitere strecken dorthin zurück zu legen.

ich habe jetzt – endlich – einen solchen ort direkt vor meiner haustüre entdeckt: biostulle. als „untermieter“ im berlinomat-flagship-store gibt es dort passenderweise „kiez-stullen“. scheibe für den kleinen oder klappstulle für den großen hunger ermöglichen eine kleine kulinarische entdeckungsreise durch berlin:  friedrichshain (roggenschrotbrot aus natursauerteig mit gerösteten walnusskernen und hausgemachtem vegetarischen aufstrich) oder lieber neukölln (gegrilltes focacciabrot mit brandenburger landschinken, geräuchertem mozzarella, auberginen, rucola und rotem pesto)? oder vielleicht doch nach charlottenburg (helles weizenbrot mit getrockneten tomaten, schwarzen oliven und kräutern, cremigem wiesenblumenkäse, faßbutter und rucola)?

bio, regional, viel eigenproduktion und ein sehr netter service des betreibers boris plücken. der ließ sich von mir gleich neugierig ausquetschen. warum bio? warum regional? weil bio qualität ist, weil’s besser schmeckt. und weil man doch nicht lebensmittel durch halb deutschland oder europa fahren muss, wenn man sie eigentlich direkt vor der haustür hat. 

ich freue mich jedesmal, wenn ich auf seelenverwandte treffe. und dann noch direkt vor der haustür  und montags bis samstags von 11 bis 20 uhr 😉 – vielleicht gibt es jetzt über winter auch noch ein süppchen und ab und ab mal ein risotto, hat boris laut gedacht. ich freu mich drauf und bin gespannt!